Sie sind auf Platz 130 meldete die Suchmaschine. Und zwar unter 365 Begutachteten beim Schwanzvergleich, war auf der zweiten Zeile zu lesen. Ein Verleser? Nein, das nicht, auch keine Erinnerung, mich je an einem Wettbewerb dieser Art beteiligt zu haben. (Selbst die Erforschung der Pubertät brachte kein Ergebnis.) Wie also, fragte ich mich, komme ich auf eine solche Liste? Konnte nur eine verdeckte Operation gewesen sein. Vom Geheimdienst eines Pornoanbieters? Vielleicht beim Italiener? Ein heimliches Fotoshooting per Kamerahandy am Pissoir? Und wenn, wer interessierte sich aus welchen Motiven für mein Gemächte? Mit welchem Ziel? Und wieso nur Platz 130? (?)
Gewohnt, knifflige Fälle zu konstruieren und zu lösen, kam ich auf das Naheliegendste. Ich klickte mich auf die Website. Die hieß natürlich nicht Schwanzvergleich, sondern schlicht Berlin-Pendler.
Und Berlin-Pendler befleißigt sich, nicht die guten Stücke, sondern Berliner Blogs auf ihre – ja, was? - Wichtigkeit, häufigste Benutzung, Qualität oder Beliebtheit unter die Lupe zu nehmen und zu „ranken“. Mit Hilfe des Wikio-Ranking, versteht sich.
Wer es genau wissen will: berlinpendler.wordpress.com
Willi Voss, Drehbuch und Romanautor. Seine Bücher und Filme, sein Leben, seine Meinung. Neues und Altes. Pläne und Ansichten.
24.11.2009
20.11.2009
Gefühlte Feinde

Gefühlte Feinde
War bei Dussmann. Dussmann steht für „Kulturkaufhaus“ und zwischen Unter den Linden und Bahnhof Friedrichstraße. Kulturkaufhaus nennt es sich, weil es neben Musikalien, Kalendern, CD´s und Software etagenweise Bücher feil hält. Ein Tempel, sagen die einen, beeindruckt von der der schieren Größe, ein Schlachtschiff mit ungeheurer Vernichtungskraft so mancher Autor, der sich vergebens bemüht, unter den Bücherbergen ihre Werke zu finden.
Logisch, dass auch ich nach meinem „letzten“ gesucht habe. Logisch, dass ich es nicht fand. Im Bauch dieses Grummeln, das der Wut vorausgeht, im Herzen ( gefühlt ) einen nicht zu unterdrückenden Neid gegenüber jenen Schriftstellern, deren Werke auf ächzenden Tischen in Riesenstapeln angeboten und massenhaft verkauft werden. Weil ihre Verlage groß sind, Marktmacht und deshalb Einfluss besitzen. Im Gegensatz zu meinem, der die wirklich guten Bücher bringt ( meines ), aber die schmale Nische beackert, weil die lohnenden Felder von den Großen besetzt sind. Geld heiratet eben Geld, stellt man ernüchtert fest, und ein Fluch entweicht dem Unterbewusstsein: verdammte Turbokapitalisten! Plakatieren Kultur und killen sie, in dem sie deren wahre Stätten in Schutt und Asche legen! Im ganzen Viertel keine einzige vernünftige Buchhandlung mehr. Shame on You, bloody Diamond
Ob denn der Roman „Die Straße ins Nichts“ vorhanden sei, möchte man fragen. Hilflose Blicke hin zu den Kassen, die wie mondäne Sushibars rund in den Raum gestellt sind und in denen gestylte Wesen gewaltige Umsätze generieren. Hilfloser Blick der Gestressten, die nichts weiter als den Bestseller bezahlt haben will. Irgendwo, sagt sie, muss es einen Kollegen geben, der Ihnen weiterhelfen kann. Irgendwo, ja. Bei diesem Herrn da, der nachfragt, ob es Dan Brown neuesten auch als Prachtband mit Goldschnitt gibt. Wegen weil ja bald Weihnachten ist und es was Außergewöhnliches sein soll, was mit Wert, Sie verstehen? „Die Straße ins Nichts?“, fragte die lächelnde Dame, nachdem sie zwei weitere Kunden abgefertigt hat. Sie schaut in ihren Computer, findet den Eintrag, lächelt – na ja – beinahe mitleidig ob des perversen Wunsches. „Ja“, sagte sie, sondernbar abschätzend, „haben wir, ja, aber müssen wir bestellen.“ Bei Libri natürlich. Eine der Buchgroßmächte, mit denen der Laden verbandelt ist und die alles listen, was zwischen Buchdeckeln existiert. Also auch die Produkte meines Nischenbeschickers. „Dauert aber fünf Tage“, erläutert sie. „Ihr Name?“
Ich bin versucht, ihr den meines Nachbarn zu nennen, dessen Hund dauernd auf die Matte im Eingang kackt, unterlasse es aber, weil der sofort zum Verfassungsschutz rennt, da er sich als bekennender Islamophobist selbst im Traum umzingelt sieht. Eingedenk des letzten, noch nicht im Vertrauen auf Nachfolgegeschäfte verschenkten Belegexemplars in meinem Bücherregal trete ich den Rückzug an. Meine bissige Bemerkung, unter diesen Umständen zöge ich es vor, selbst über das Netz zu bestellen, quittiert die Dame mit einem Blick an mir vorbei auf den nächsten Kunden, der – einen Schätzing in der Hand – fragt, ob es den auch mit eingebautem Perlencollier und einer Weißgoldschließe gibt ...
Ich gehe. Wie der Pudel, den man begossen hat. Im Kopf das Feuer einer neuen Buchidee, einer Revolution. Das erste Kapitel beginnt mit: Ein Geist weht durch die Welt, der Geist einer Kultur, die … Ach, Scheiße, Scheiße, Scheiße, bellt es in mir, während meine Beine mich zum Ausgang bugsieren.
17.11.2009
14.11.2009
(ur) zum Gedenken: Kommissar Reineking

Bierselig waren sie manchmal schon, die Nächte, in denen ich mit dem Namensgeber des Helden meines Thrillers "Pforte des Todes" über Gott und die Welt und auch über das Thema des Romans diskutiert habe. Theologisch vorbelastet, hatte Ulrich Reineking eine Menge Stoff über den Versuch über "Verführung durch Glauben" zu bieten. Aber er machte auch Mut, das schwer zu recherchierende Thema anzugehen, den Mut nicht zu verlieren, die Disziplin aufzubringen, den der notwendigerweise auf viele Seiten angelegte Roman mir abverlangte. Was die Schaumburger Zeitung über das Thema schreibt, ist unter dem Link zu lesen:
zum Artikel
09.11.2009
Lesung aus "Pforte des Todes"

Jakobikirche in Rinteln
Am 5. Dezember 2009 um 17 Uhr lese ich im Gemeindesaal der evangelischen reformierten Kirche in Rinteln zum Gedenken an den am 4. Oktober leider verstorbenen Namensgeber des Romans - Ulrich Reineking - aus meinem Thriller "Pforte des Todes". Der Erlös kommt "Ultimo Frühstück" zugute, einer Einrichtung der reformierten Kirche, mit der am letzten Mittwoch im Monat Frühstück für Bedürftige bereit gestellt wird. ( hat Uli Reineking ebenfalls unterstützt )
Samstag, en 5. 12. 2009
17 Uhr
Gemeindesaal ev. reformierte Kirche
Klosterstraße 17
31751 Rinteln
04.11.2009
PFORTE DES TODES als e-book
Mein Thriller "Pforte des Todes" ist jetzt auch als e-book-Ausgabe als Download für 10,90 € bei beam e-books erhältlich. Eine Demoversion zum Anlesen kann als PDF-Datei heruntergeladen werden.
Schaut mal rein: http://www.beam-ebooks.de/ebooks/krimi/
Schaut mal rein: http://www.beam-ebooks.de/ebooks/krimi/
31.10.2009
Lieber Leser ...

... du unbekanntes Wesen
Einige Leser, das ist belegt, hat mein neuer Thriller „Pforte des Todes“ bereits gefunden. Es gab zwei Mails, einen Anruf und einen nach Veilchen duftenden Brief. Sie alle äußerst positiv, aber leider lediglich in der Beurteilung: Toller Roman, Gratulation und - Ende. Frustrierend, weil das bibbernde Herz des sich dem Gericht Stellenden nach BEGRÜNDUNGEN der Urteile schreit. Warum, zum Teufel, sagt ihr, es sei toll, wenn ihr nicht sagen wollt warum?
Nach all den Jahren ohne Streicheleinheiten lechze ich nach Zertifizierung: Wie ist der Stil, (habe ich überhaupt einen?), wie der Aufbau der Handlung, wie die Zeichnung der Handelnden, wie Nerven strapazierend die Spannung?
Was gibt es sonst, dass diesen Roman so aufregend macht? Ist er das? Und wenn, warum? Wegen des bescheidenen Verkaufspreises, der Aufmachung, der langen Wartezeit bis zum endlichen Erscheinen, den vielen Ankündigungen, die dann doch nicht gehalten wurden? Weil er zu suchen und nicht als gigantische Pyramide am Eingang der Buchhandlungen zu finden ist? Weil er noch nicht auf der Spiegel-Bestsellerliste und dort seit drei Jahren auf Platz eins steht? Die Talkshows sich nicht mit dem Angebot dicker Honorare um den Autoren reißen und der Verlag noch nicht wegen platzender Geldschränke Bertelsmann und die sonstigen vier Buchgiganten übernommen hat, der Verleger nur im Morgengrauen am Spieltisch in Las Vegas zu erreichen ist? Oder – der Schlag möge den Abweichler treffen! - weil sich, wenn er geschreddert wird, daraus hochwirksame nach Buchbinderleim schmeckende Schlaftabletten drehen ließen?
Ich bin im Stress, ich bin krank, dem Wahnsinn nahe! Auch wenn es für mich schrecklich, ja, das Ende am Plastikstrick sein wird: Lieber Leser, du unbekanntes Wesen, erbarme dich! Von mir aus auch anonym.
P. S.
Auch Proteste von Kirchenvertretern, die sich auf den Schlips getreten fühlen, werden akzeptiert. Aber nur, wenn sie das Buch ordnungsgemäß gekauft und nicht ausgeliehen haben.
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