Quacksalber 2.0
Warum das Netz voller Wunder bleibt
Im 19. Jahrhundert schworen fahrende Händler auf „Snake Oil“ – angeblich gut gegen alles: Rheuma, Haarausfall, Herzweh. Heute benötigen die Quacksalber keinen Karren mehr. Ein Algorithmus reicht. Und die Ware ist dieselbe: Hoffnung im Sonderangebot.
Die Schlagzeilen sind bekannt:
- „Bundesregierung verabschiedet neues Solargesetz!“ – seit Jahren im Umlauf, egal, was tatsächlich beschlossen wurde.
- „Dieses eine Gemüse lässt Ihr Bauchfett sofort schmelzen!“ – wahlweise Gurke, Tomate oder Spinat.
- „Blutdruck sofort senken – Ärzte hassen diesen Trick!“ – Dahinter stecken zweifelhafte Pillen, selten seriöse Medizin.
Dazu die Tiernummer: „Welpe springt in den Löwenkäfig – und überlebt!“ Alte Fotos, neue Überschrift, garantiert klickstark. Die Wahrheit – dass ein solches Abenteuer für den Welpen meist tödlich endet – fällt unter den Tisch.
Das Muster ist simpel: Angst, Hoffnung, Geheimnis. Wer klickt, bekommt keine Information, sondern eine verlängerte Vertröstung. Und wer zu lange vertraut, riskiert nicht nur sein Geld, sondern mitunter auchseine Gesundheit.
Neu ist nur die Technik. Aus Marktschreiern wurden Content-Generatoren. Aus Pferdewagen Push-Nachrichten. Die Tinktur heißt nicht mehr „Dr. Smith’s Elixier“, sondern „Geheimtipp, den Ärzte verschweigen“.
Die Verantwortung liegt nicht allein bei dubiosen Portalen. Sie liegt auch bei uns. Denn wir klicken, wir teilen, wir lassen uns verführen. So lebt der Quacksalber weiter – digital, global und mit Reichweite.
Und die beste Medizin dagegen? Kritisch lesen. Oder einfach mal das WLAN ausschalten. Das senkt nachweislich den Blutdruck – sofort.