31.08.2025

 

 

Warum Menschen gegen sich selbst wählen

Wenn Arbeitslose und Arbeiter Parteien unterstützen, die Sozialstaat und Umverteilung schwächen wollen, wirkt das wie ein politisches Paradox. Doch Gefühle, Trotz und Ressentiments sind oft stärker als nüchterne Interessen.

Wählt „der Verlierer“ gegen sich selbst?

 Die Zahlen der Europawahl 2024 zeigen ein widersprüchliches Bild:
Unter Arbeitslosen erreichte die AfD 25,5 Prozent – mehr als jede andere Partei. Unter Arbeitern kam sie auf 25 Prozent, fast gleichauf mit CDU/CSU (28 %). Die SPD, einst „Arbeiterpartei“, erreichte in dieser Gruppe nur noch 14 Prozent. Auch bei Menschen mit Hauptschulabschluss punktete die AfD (18,7 %), während die Union mit 41 Prozent dominierte.

Ökonomisch betrachtet, wählen viele also gegen ihre Interessen. Parteien, die den Sozialstaat stärken wollen, schneiden bei jenen schwach ab, die am meisten davon abhängig sind.

Die Partei der Nichtwähler

Mindestens ebenso paradox ist, wer gar nicht wählt. In prekären Stadtteilen liegt die Wahlbeteiligung oft 10 bis 20 Punkte unter dem Durchschnitt. Bei der Bundestagswahl 2021 lag die Gesamtbeteiligung bei 76,6 % – in sozialen Brennpunkten mancher Großstädte aber bei weniger als 50 %.
Die eigentliche Mehrheit der Abgehängten ist also nicht AfD, sondern Nichtwahl. Politische Selbstentmachtung in Reinform.

Gefühle statt Fakten

Warum entscheiden sich so viele für Parteien, die ihnen objektiv schaden?
Die Antwort ist so einfach wie unbequem: Gefühle steuern stärker als Fakten.

  • Angst vor Abstieg
  • Wut auf „die da oben“
  • Misstrauen gegen Institutionen
  • Kränkung, nicht gehört zu werden

Die AfD bietet dafür eine klare Projektionsfläche: Schuld seien Migranten, Brüssel, Berlin. So ersetzt eine einfache Feindmarke jede komplexe Politik.

Dauer-Nörgeln als Weltanschauung

Deutschland ist ein Land der Kritikaster. Bahn, Rundfunk, Regierung – alles wird schlechtgeredet. Dieses Grundrauschen des Nörgelns prägt den Blick vieler Menschen: Alles ist Betrug, alles läuft schief. Parteien, die diese Stimmung noch verstärken, können darauf bauen, dass Nörgeln eines Tages in Proteststimmen mündet.

Besserwissen von unten

„Wir hier unten wissen es besser als die da oben.“
Dieser Satz gibt Selbstwert zurück. Wer sich abgehängt fühlt, macht sich selbst zur moralischen Instanz. Ein Kreuz bei einer Protestpartei fühlt sich an wie ein Triumph über die Eliten – auch wenn es die eigenen Lebensbedingungen verschlechtert.

Protest als Lustgewinn

Viele geben offen zu: „Ich möchte denen eins auswischen.“ Politik wird zum Ventil, der Wahlzettel zum Faustschlag. Politikwissenschaftler nennen das expressives Wählen: nicht Interessenvertretung, sondern Trotz – ein Akt des Lustgewinns.

Der exklusive Sozialstaat

Die AfD inszeniert sich zugleich als Verteidigerin des Sozialstaats – allerdings nur für Deutsche. Wer fürchtet, sein knappes Stück vom Kuchen teilen zu müssen, findet hier Bestätigung. Es ist kein „mehr für alle“, sondern ein „nur für uns“.

Die paradoxen Züge sind unübersehbar: 

Wer wählt, entscheidet sich oft gegen die eigenen ökonomischen Interessen. Wer nicht wählt, verzichtet gleich ganz auf Einfluss.

So stemmen sich die Abgehängten gegen Parteien, die ihnen helfen könnten, und lassen sich zugleich von Wut, Trotz und Ressentiments treiben.

Es ist, als würde jemand den Rettungsring wegstoßen, weil ihm die Farbe nicht gefällt – und dabei überzeugt sein, endlich die Oberhand gewonnen zu haben.

„Herr der Lage?“

Oder lieber darüber nachdenken, dass „die da oben“ auch nach eigenem Verständnis DIENER der „die da unten“ sind und zu sein haben?

Dann entfiele der Wunsch, denen eins auszuwischen.

Man wäre ja selbst das Opfer, nicht?

Das Verlangen, eines zu sein, hat, wie ich hörte, in der Regel masochistische Grundzüge, oder wie? 

28.08.2025

 

 Quacksalber 2.0

Warum das Netz voller Wunder bleibt

Im 19. Jahrhundert schworen fahrende Händler auf „Snake Oil“ – angeblich gut gegen alles: Rheuma, Haarausfall, Herzweh. Heute benötigen die Quacksalber keinen Karren mehr. Ein Algorithmus reicht. Und die Ware ist dieselbe: Hoffnung im Sonderangebot.

Die Schlagzeilen sind bekannt:

  • „Bundesregierung verabschiedet neues Solargesetz!“ – seit Jahren im Umlauf, egal, was tatsächlich beschlossen wurde.
  • „Dieses eine Gemüse lässt Ihr Bauchfett sofort schmelzen!“ – wahlweise Gurke, Tomate oder Spinat.
  • „Blutdruck sofort senken – Ärzte hassen diesen Trick!“ – Dahinter stecken zweifelhafte Pillen, selten seriöse Medizin.

Dazu die Tiernummer: „Welpe springt in den Löwenkäfig – und überlebt!“ Alte Fotos, neue Überschrift, garantiert klickstark. Die Wahrheit – dass ein solches Abenteuer für den Welpen meist tödlich endet – fällt unter den Tisch.

Das Muster ist simpel: Angst, Hoffnung, Geheimnis. Wer klickt, bekommt keine Information, sondern eine verlängerte Vertröstung. Und wer zu lange vertraut, riskiert nicht nur sein Geld, sondern mitunter auch
seine Gesundheit.

Neu ist nur die Technik. Aus Marktschreiern wurden Content-Generatoren. Aus Pferdewagen Push-Nachrichten. Die Tinktur heißt nicht mehr „Dr. Smith’s Elixier“, sondern „Geheimtipp, den Ärzte verschweigen“.

Die Verantwortung liegt nicht allein bei dubiosen Portalen. Sie liegt auch bei uns. Denn wir klicken, wir teilen, wir lassen uns verführen. So lebt der Quacksalber weiter – digital, global und mit Reichweite.

Und die beste Medizin dagegen? Kritisch lesen. Oder einfach mal das WLAN ausschalten. Das senkt nachweislich den Blutdruck – sofort.

07.08.2025


 

Pflege als Renditemaschine


Warum unsere Alten zur Ware geworden sind

Willi Voss

Pflege kostet? Ja – aber nicht für alle. Denn während pflegebedürftige Senioren und ihre Angehörigen mit monatlichen Heimkosten von über 3.000 Euro kämpfen, verdienen andere prächtig daran. Die Pflege in Deutschland ist vielerorts kein soziales Hilfsangebot mehr, sondern ein lukratives Geschäftsmodell. Und die Politik? Sie reagiert mit Wegsehen – oder mit Zuschüssen, die letztlich das bestehende System stabilisieren, statt es zu reformieren.

Die bittere Realität hinter der Pflegefassade

Was nach Fürsorge klingt, ist in vielen Fällen ein Konstrukt aus betriebswirtschaftlichen Kalkülen. Die Eigenanteile für einen Heimplatz betragen im Bundesdurchschnitt mittlerweile über 3.100 Euro – Tendenz steigend. Aufgeschlüsselt werden diese Kosten in Pflegeleistungen (abzüglich der Pflegeversicherung), Unterkunft, Verpflegung, Investitionskosten sowie Umlagen für Ausbildung und Struktur. Wer dabei einen höheren Pflegestandard erwartet, wird enttäuscht: Pflegekräfte sind überlastet, Zeit für individuelle Betreuung fehlt. Und das trotz der hohen Summen, die monatlich fließen.

Der Markt der Alten – renditestark und entmenschlicht

Immer mehr Pflegeeinrichtungen befinden sich in der Hand von privaten Investoren und internationalen Konzernen. „Private Equity“ – zu Deutsch: Beteiligungskapital – ist das Geschäftsmodell der Stunde. Heime werden aufgekauft, häufig kreditfinanziert, Personalstellen eingespart, Renditen maximiert. Die Refinanzierung läuft dabei nicht über Leistungen – sondern über die Bewohner. Über sie werden Zinsen, Gewinne und Strukturkosten abgerechnet.

Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

·      In öffentlichen Pflegeeinrichtungen liegt die Personalquote bei rund 70 Prozent.

·      Bei privaten Betreibern oft nur noch bei 50 bis 55 Prozent.

Wer profitiert?

·      Internationale Pflegekonzerne

·      Immobilienfonds

·      Kreditinstitute

Wer zahlt?

·      Pflegebedürftige und deren Familien

·      Kommunale Sozialhilfeträger

·      Beitragszahler der Pflegekassen

Pflegepolitik im Rückwärtsgang

Statt mutig umzugestalten, verabreicht die Politik Beruhigungspillen: Beiträge steigen, Länder ziehen sich aus der Verantwortung für Investitionskosten zurück. Die Pflegeversicherung zahlt pauschal – unabhängig vom tatsächlichen Bedarf. Die eigentlichen Gewinner: Die Betreiber. Ihre Bilanzen bleiben weitgehend unter Verschluss. Ihr Geschäftsmodell: Ein staatlich subventionierter Markt mit garantierten Einnahmen und kaum Regulierung.

Was getan werden muss – jetzt

1.     Begrenzung von Renditen im Pflegesektor – Pflege darf kein Hochrisikofonds sein.

2.     Verbot oder klare Kontrolle von Fremdkapitalfinanzierung über Bewohnerkosten.

3.     Staatliche Übernahme der Investitionskosten – wie bei Schulen oder Kliniken.

4.     Transparente Offenlegung von Betreiberstrukturen und Gewinnverwendung.

Ein Appell an Würde und Verantwortung

Wenn wir als Gesellschaft unsere älteren Mitmenschen nicht nur als Kostenfaktor oder Zielgruppe für Investoren betrachten wollen, dann muss sich das System radikal ändern. Pflege ist keine Ware. Sie ist eine Haltung. Eine Frage der Menschlichkeit – nicht der Rendite.

„Zuschüsse lindern Symptome – aber sie heilen kein krankes System.“

25.07.2025

https://www.amazon.de/stores/Willi-Voss/author/B0045AK4A2?ref=dbs_a_mng_rwt_scns_share&isDramIntegrated=true&shoppingPortalEnabled=true

 

18.07.2025


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Titel: Was steckt hinter dem KI-Content-Zauber von "Janets Gedankenflug"?

Ein sachlicher Blick auf ein aktuelles Angebot für Autorinnen und Autoren

In den letzten Monaten taucht in vielen Postfächern eine E-Mail-Reihe unter dem Titel "Janets Gedankenflug" auf. Angeboten wird ein Kurs namens "KI-Content-Zauber", der Autor*innen verspricht, mithilfe künstlicher Intelligenz zum Social-Media-Profi zu werden und ihre Bücher erfolgreicher über Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok zu verkaufen. Doch was steckt wirklich hinter diesem Angebot? Wer steckt dahinter? Was kostet es? Und wie seriös ist das Ganze?

Dieser Beitrag gibt einen sachlichen Überblick über das Programm, seine Anbieter und die wichtigsten Aspekte für alle, die mit dem Gedanken spielen, daran teilzunehmen.


1. Wer steht hinter "Janets Gedankenflug"?

Hinter dem Newsletter steht die Autorin und Schreibcoach Janet Zentel, die sich in der deutschsprachigen Buchszene durch ihren "Bookerfly Club" und diverse Marketingangebote einen Namen gemacht hat. In Zusammenarbeit mit dem selbsternannten KI- und Marketingexperten Roger Basler de Roca bewirbt sie aktuell das Programm „KI-Content-Zauber“.

Roger Basler tritt in der Rolle eines Digitalunternehmers auf, der laut eigener Aussage mehrere Millionen Menschen pro Jahr mit seinen Inhalten erreicht. Beide sind reale, im Netz auffindbare Personen mit erkennbaren beruflichen Profilen.

 

2. Was wird angeboten?

Das Programm ist ein sechsmonatiges Online-Coaching, das die Teilnehmenden befähigen soll, mit Hilfe von KI-Tools wie z. B. ChatGPT, Midjourney und speziellen Custom-GPTs systematisch Content für Social Media zu erstellen.

Enthalten sind:

monatliche Live-Workshops zur Planung von Inhalten

Zugriff auf eigens entwickelte KI-Tools zur Contentgenerierung

Schritt-für-Schritt-Module zu Strategie, Zielgruppen, Storytelling, Video-Content u. a.

eine Community-Plattform für Austausch

individuelles Feedback zu zwei eigenen Beiträgen

Das Programm richtet sich klar an Anfängerinnen und ambitionierte Selfpublisherinnen, die bisher kaum oder nur ineffektiv auf Social Media präsent sind.


3. Wie hoch sind die Kosten?

Die Preisgestaltung ist einer der Schwachpunkte des Angebots: In E-Mails und auf der Landingpage wird kein Preis genannt. Erst beim Klick auf "Jetzt anmelden" werden Interessierte zu einem Bestellformular bei Digistore24 weitergeleitet, wo zusätzliche Angebote wie ein "Automatisierungs-Booster" für knapp 30 Euro angeboten werden.

Der Hauptkurs selbst liegt vermutlich im hohen dreistelligen Bereich, konkrete Preise sind jedoch nicht transparent einsehbar. Dies erschwert eine faire Bewertung vorab. Immerhin gibt es eine 30-Tage-Geld-zurück-Garantie.


4. Wie seriös ist das Angebot?

Positiv zu vermerken:

Die Anbieter sind echt und im Bereich Buch und Marketing aktiv.

Inhalte wie Social-Media-Strategie, Zielgruppenanalyse und KI-Tools sind praxisrelevant.

Es gibt klare Kursstrukturen und Feedback-Möglichkeiten.

Kritisch zu hinterfragen:

Die Werbesprache ist überzogen: Aussagen wie "Content erstellen kinderleicht" oder "Reichweite verzehnfachen" wecken unrealistische Erwartungen.

Der Preis wird erst sehr spät kommuniziert.

Unabhängige Erfahrungsberichte sind kaum auffindbar.

Fazit: "KI-Content-Zauber" ist ein legitimes Angebot, das echtes Wissen vermittelt, aber stark marketingorientiert verkauft wird. Wer sich für die Teilnahme interessiert, sollte sich vorab mit kostenlosen Inhalten (z. B. Webinaren oder Podcasts der Anbieter) vertraut machen und sich bewusst sein, dass kein Kurs ohne eigenes Engagement zu schnellen Erfolgen führt.


5. Empfehlung für Autorinnen und Autoren

Für alle, die sich ernsthaft mit KI-gestütztem Marketing beschäftigen wollen, kann "KI-Content-Zauber" ein Einstieg sein. Allerdings sollte man sich nicht von großen Versprechungen leiten lassen, sondern das Angebot als das betrachten, was es ist: ein Werkzeugkasten mit Anleitung.

Wie bei jedem Werkzeug gilt: Die Wirkung hängt nicht nur vom Werkzeug, sondern vom Handwerker ab.


Weitere Hinweise

Mehr zu Janet Zentel findet sich z. B. unter bookerfly.club oder auf ihren Social-Media-Kanälen. Roger Basler de Roca ist ebenfalls auf Plattformen wie LinkedIn, TikTok und YouTube aktiv.

Transparente Informationen zu Preisen oder Teilnahmebedingungen sollten im Zweifelsfall direkt bei den Anbietern erfragt werden.